Ernährung für nierenkranke Menschen
Ernährungsempfehlungen für Dialysepatienten
Diese Empfehlungen verstehen sich als Diskussionsgrundlage für ein weiterführendes Gespräch mit dem Nierenfacharzt bzw. mit dem Dialyseteam. Das Wort Diät ist negativ besetzt, weil es mit Verzicht und Umstellung erlebt wird. Frei nach dem Motto „Alles ist erlaubt" die „Dosis macht das Gift" sollen diese Empfehlungen Anlass zum Nachdenken und Nachahmen geben. Ein aufgeklärter Patient ist ein gesünderer Patient! Auch Lebensqualität ist ein wichtiger Aspekt bei der Einhaltung einer Diät. Essen sie gut aber richtig!
Grundsätzlich unterscheiden sich die unten genannte Ernährungsempfehlungen nach dem Nierenersatzverfahren und nach dem Stadium ihrer Erkrankung. Ein Hämodialysepatient sollte die Diät strenger nehmen als ein Bauchfelldialysepatienten. Auf der Basis einer permanenten, nicht unterbrochenen Dialyse, ergeben sich deutlich weniger strenge Ernährungsempfehlungen gegenüber dem Hämodialyseverfahren, welchen drei mal wöchentlich angewandt wird.
Chronisch nierenkranke Menschen entwickeln häufig eine Blutarmut durch Eisenmangel. Häufig sind Nierenerkrankungen mit Blutverlusten, bzw. chronischen Entzündungen vergesellschaftet. Bedingt durch einseitige Ernährung, chronischen Blutverlusten, Regelblutungen, kann es zu Müdigkeit, blasse Hautfarbe, Schwächegefühl kommen, all diese Symptome sind auch Zeichen einer voranschreitenden Nierenerkrankung. Dialysepatienten werden an der Dialyse mit Eisen versorgt. Nierenkranke Menschen, die keine Nierenersatzverfahren benötigen, sollten in Absprache mit dem behandeln dem Arzt ggf. eine Therapie planen.
Die Eckpfeiler der Diät für dialysepflichtige Patienten bestehen aus folgenden Schwerpunkten:
Die Energiezufuhr, die Eiweißzufuhr, die Phosphat- und der Kaliumzufuhr und der Flüssigkeitszufuhr.
Auf folgende Eckpfeiler wird im weiteren Detail eingegangen:
1. Energiezufuhr:
Bis zu einem Lebensalter von 60 Jahren werden 35 Kcal pro Kilogramm Körpergewicht empfohlen (oder 150 Kcal/kg Körpergewicht pro Tag )
Bei einem Lebensalter über 60 sind es noch 30 kcal / Kg Körpergewicht. Es ist wichtig, auf eine ausreichende Kohlenhydrataufnahme zu achten. Beispiel : ein 70 kg schwere Person braucht dann ca. 2100 kcal
Wenn Sie zu wenig Kalorien zu sich nehmen, greift der Körper seine Reserven an. Eine solche Situation ist langfristig bedrohlich für ältere Dialysepatienten.
2. Eiweißzufuhr :
Bitte achten Sie auf hochwertige Eiweiße ( Fisch / Fleisch sind biologisch hochwertig) 50 % des Eiweiß sollte pro Tag auf hochwertige Eiweiße entfallen, hier werden 1,1 bis 1,3 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht bei Dialysepatienten empfohlen.
Beispiel : ein 70 kg schwerer Patient sollte dann pro Tag ca. 84 g Eiweiß zu sich nehmen.
Eiweiß ist in Lebensmitteln wie z.B. Fisch, Fleisch und Milchprodukten enthalten.
3. Phosphatzufuhr:
Phosphat ist in allen eiweißhaltigen Lebensmittel sowie als Konservierungsmittel verschiedenen Lebensmittel zugesetzt. Die Aufnahme von Phosphat sollte bei Dialysepatienten bei ca. 0,8 bis 1,0 Gramm liegen. Angaben wie viel Phosphat in den einzelnen Lebensmitteln enthalten sind sollten Sie unbedingt aus Lebensmitteltabellen entnehmen. Lassen Sie sich hier ausführlich beraten! Vorsicht bei Nüssen, Scheibenkäse ( Gouda), Innereien, Vollkornteigwaren, Hühnereiern (Eigelb) und „Cola" Getränken, aber auch Grillwürste und Brühwürste sind häufig problematisch.
meiden Sie Schmelz- und Kochkäse. Aber auch Instantgetränke und Hülsenfrüchte Phosphatzusätze sind häufig auch an Lebensmittelnummer zu erkennen:
z.B. E 322, E338, E339, E340, E341, E 343, E450, E451, E452; E 540, E543, E544
Bevorzugen Sie Käsesorten wie Philadelphia, Hüttenkäse, Quark, Camembert; Harzer. Milch sollte - wenn möglich - durch Sahne ersetzt werden. Z.B. 2/3 Wasser + 1/3 Sahne.
Wichtig ist die medikamentöse Bindung des Phosphats in der Nahrung durch Phosphatbindende Tabletten ( z.B. Calziumacetat), welche unmittelbar vor Nahrungsaufnahmen eingenommen werden sollten. Phosphatbindende Tabletten ca. 10 Min. auch vor jeder Zwischenmahlzeit individuell dosieren.
4. Calciumzufuhr:
Der Calciumstoffwechsel bei Nierenkranken Menschen ist sehr komplex und häufig von einer Calcium Mangelsituation geprägt. Der Calciumbedarf ist mit ca. 1,0-2,0 Gramm pro Tag zu bemessen. Nierenkranke Menschen haben auch einen Vitamin D Mangel, insbesondere in den Wintermonaten. Vitamin D, ein fettlösliches Vitamin ist sehr wichtig für den Erhalt und den Aufbau des Knochens. Eine zusätzliche Gabe in Tablettenform ist häufig für die Knochengesundheit unumgänglich.
5. Kochsalzzufuhr:
Der Bedarf des menschlichen Körpers wird mit 3,5 bis 6,0 Gramm Kochsalz gedeckt. Die Mitteleuropäische Bevölkerung nimmt ein Vielfaches des täglichen Bedarfs zu sich. 15 bis 20 Gramm, teilweise mehr, sind je nach Ernährungsgewohnheiten keine Seltenheit und begünstigen Volkskrankheiten wie z.B. den Bluthochdruck und seine Folgekrankheiten. Neuste Wissenschaftliche Erkenntnisse belegen die schädigende Wirkung einer Kochsalzreichen Ernährung. Die Kochsalzarme Nahrung ist besonders für nierenkranke Menschen wichtig, dies führt unter Umständen zum Absetzen / Reduzieren von Medikamenten gegen Hohen Blutdruck.
Kochsalz ist häufig in Form von Pökelsalz zur Konservierung von Lebensmittel beigefügt, es dient auch der Geschmacksverstärkung bei Nahrungsmittel. Meiden Sie Gewürzmischungen, wie Würze von Maggi, Diätsalze, Sojasoße.
Verzichten sollten Sie auf Salzstangen, Partygebäck sowie eingelegten Fisch. Verwenden Sie natriumarmes Mineralwasser (<100mg Na/Liter). Eine kochsalzarme Ernährung meint nicht geschmackloses, fades Essen, ganz im Gegenteil. Eine variantenreiche Küche mit frischen Gewürzen aus dem heimischen Garten kann ein salzarmes Essen zu einem Hochgenuss machen...
6. Kaliumzufuhr:
Ein "kleiner" Mineralstoff mit „großer Wirkung" beim Nierenkranken Menschen. Ein Blutsalz, welches überwiegend in allen pflanzlichen aber auch tierischen Nahrungsmitteln in unterschiedlicher Menge enthalten ist.
Der nierenkranke Mensch läuft Gefahr zu viel von diesem Mineral zu sich zu nehmen. Eine überhöhte Menge an Kalium kann für den gesamten Organismus schwere gesundheitliche Störungen nach sich ziehen. Es wirkt in Überdosis als „Muskel und Nervengift", und kann von Lähmungen der Beine, bis hin zu lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen führen, da die kranke Niere es über den Harn nicht ausscheiden kann.
Die Kaliumzufuhr beträgt 1,6 - 2,3 Gramm pro Tag für Dialysepatienten. An der Dialyse wird Kalium unproblematisch „herausgefiltert", deshalb stellt kaliumreiche Kost während der Dialyse kein Problem dar. Kaliumreiche Nahrungsmittel sind vor allem Obst und Gemüse sowie die entsprechenden Säfte, aber auch Trockenobst, Nüsse, Pilze, Milch und Milchprodukte. Meiden Sie Trauben, Zitrusfrüchte, Trockenobst, lösl. Kaffeepulver, Kakao. Das so genannte „wässern" von z.B. Kartoffeln reduziert über Nacht den Kaliumgehalt der Speisekartoffel erheblich. Erhitzen von Gemüse in Wasser entzieht der Nahrung zusätzlich Kalium. Eingemachtes Obst sollte ohne den Saft verzehrt werden, weil in diesem das Kalium hochkonzentriert ist. Eine Alternative zum Frischgemüse kann Tiefkühlkost, sowie Konservengemüse darstellen. Das „schmoren" ( langes erhitzen mit niedriger Hitze) entzieht Fleisch deutlich mehr Kalium als das „kurze" Braten.
Weitere Tipps und Anregungen sollten sie sich aus Lebensmitteltabellen und von Ihrem Dialyseteam holen!
7. Tägliche Flüssigkeitszufuhr:
Auch ein schwieriges Thema, welchem man sich trotz aller Dinge stellen sollte...
Die Bilanzierung der Flüssigkeit ist für die meisten Betroffenen das größte Problem. Die kranke Niere ist je nach Krankheitsstadium nicht in der Lage die Entgiftung sowie die Wasserregulation aufrecht zu erhalten. Die Folge sind Wasseransammlungen an den Füßen und Beinen ( Ödeme) sowie Wassereinlagerungen in den Lungen, die sich mit Luftnot bemerkbar machen. Die Bilanzierung des Wasserhaushaltes an der Dialyse richtet sich nach der bestehenden „Restnierenfunktion".
Ein Beispiel: sollte ein Betroffener eine Urinproduktion von 1000 ml pro 24 Stunden haben (Sammelurin) so empfiehlt sich eine bilanzierte Flüssigkeitsaufnahme von ca.1800 ml pro Tag,
(Formel zur Berechnung der täglichen Trinkmenge: Restausscheidung Urin in ml plus 800 ml = gesamt Trinkmenge)
Beachten Sie auch „versteckte" Flüssigkeiten in z.B. Gurkensalat, Eis, Eintopf, Saucen und Obst. Denken Sie daran, dass Suppen, Soßen, Süßspeisen etc. hauptsächlich aus Wasser bestehen.
Trinken Sie aus einem Glas oder einer Tasse, deren Inhalt in Milliliter Sie kennen. Ungünstig ist es, wenn Sie unkontrolliert aus der Flasche trinken. Trinkprotokolle können hilfreich sein.
Meiden Sie sehr süße oder salzige Speisen.
Tipps um den Durst zu besiegen: Trinken Sie jeden Schluck bewusst und langsam, trinken sie nie „so neben bei", trinken sie aus kleinen Gläsern und nie aus der Flasche. Genießen Sie ihr Essen in dem Sie langsam essen und gründlich kauen, vermeiden Sie salzige Speisen ( Salzstangen / Chips; siehe oben). Probieren Sie kalte Getränke, Eiswürfel lutschen, ein Spritzer Zitronensäure ins Mineralwasser kann sehr Durst stillend sein. Zitronenbonbons, zuckerfreie Kaugummi sowie ein Pflaumenkerne lutschen kann aber sehr hilfreich sein.
Das Trinken von Milch erscheint als Durstlöscher ungeeignet, angesichts der Phosphat Problematik erweist sie sich als „ Trinkfalle".
Machen Sie sich bewusst wie viel Flüssigkeit ein Trinkgefäß fasst und lernen Sie die Trinkmenge zu berechnen !
Wir beraten Sie gerne in allen Fragen der Ernährung von nierenkranken Menschen. Für weitergehende professionelle Diätberatung verweisen wir Sie an Frau Mathilde Koch, Ernährungsberatung,
Niels Stensen Werk Vechta,
Kapitelplatz 9, 49377 Vechta
Tel. 04441 992800

